Am 18. August kann die Entscheidung über den Sieg der bei deutschland tour 2005 fallen, denn an diesem Tag führt die Königs Etappe der Pro Tour mitten in das Herz der Alpen, hinauf auf 2670 m, auf den Rettenbach Gletscher oberhalb von Sölden.
Literweise Schweiß verlieren Radfahrer an heißen Tagen. Dieser Fluss bewahrt sie vor Überhitzung. Wenn die Asse der deutschland tour am 18. August den 13 km langen Anstieg zum Rettenbach Gletscher in Angriff nehmen, werden sie auch bei idealen, weil kühlen, Radfahrtemperaturen schwitzen, was der Körper hergibt. Die Panoramastraße von Sölden zum Gletscher ist im Durchschnitt 13 Prozent steil, nur die acht Kehren und das ca. 300 m lange Flachstück bei der Mautstelle bieten Chancen auf Erholung, so jedenfalls empfinden es leistungsorientierte Hobbyradfahrer, für die eine Bewältigung der Gletscherstraße so oder so eine Herausforderung darstellt. Rund 100 Minuten benötigen Freizeitradler für die etwa 1700 Höhenmeter. In welcher Zeit die Radprofis zum Gletscher stürmen, ist schon vor dem Start in Sölden eine spannende Frage und Wetten dazu werden auf den verschiedenen Stammtischen in Sölden bereits angenommen.
Das Ziel befindet sich auf 2670 m, unmittelbar vor dem ewigen Eis des Rettenbach Gletschers, dort wo im Herbst die besten Skirennfahrer beim Weltcup Opening um die ersten Punkte fahren und das Gletscherschauspiel Hannibal am Freitag, den 15. April 2005 zum letzten mal in Szene gehen wird.
Auch die konzentriert fahrenden Radprofis werden die ansteigende die Höhelage deutlich erkennen, wenn sie ihre Blicke in die Tiroler Bergwelt schweifen lassen. Am Beginn der Etappe werden sie gefleckte Kühe und die typischen Tiroler Haflinger Pferde sehen. Später im Ötztal sind es Schafe die am Straßenrand weiden. Wenige Höhenmeter unterhalb des Ziels können die mit gesenktem Kopf, im Wiegetritt hinauf stürmenden Radasse zu den Gämsen hinunter schauen. Diese Situation wird vielen in Erinnerung bleiben.
Sölden/Tirol wird in Fahrradkreisen schon seit längerer Zeit als das heimliche Mekka des Radsports bezeichnet. In der Tat ist Sölden mit dem Radsport stark verbunden. Zum einen urlaubt das Team Telekom mit Jan Ullrich im Herbst immer in Sölden, Andrea Pinarello, Eigentümer der gleichnamigen Fahrradmarke und jahrelanger Ausrüster des Teams Telekom, schwingt im Winter über die Pisten von Sölden und im Sommer schwingt er sich beim Ötztaler Radmarathon (25.8.2005) in den Sattel, um bei dem wohl schwierigsten Radmarathon mitzufahren. 238 km und 5 500 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen. Skifan Francesco Moser, kennt Pisten und Straßenverhältnisse sowie einige Gendarmeriebeamte bestens. Frank Hoste, Gewinner des Grünen Trikots 1984, hat zu seiner aktiven Zeit sein Vorbereitungsprogramm im Winter von Sölden begonnen, ebenso das Team von PDM mit Jean Kelly, Erik Breukink und Harald Maier. Bei der Tour Transalp wurde Sölden in den Jahren 2003 und 2004 zum beleibtesten Etappenort gewählt, und Hans Rey machte bei seiner NO WAY Alpenüberquerung in den Ötztaler Alpen die Erfahrung, dass man doch nicht überall fahren kann.
Sölden ist für die deutschland tour jedenfalls bestens gerüstet. Zum Rettenbach Gletscher gelangt man bequem mit dem eigenen Auto, und direkt im Ziel befindet sich das Gletscherstadion, von wo aus man den Zieleinlauf beobachten kann. Gespannt ist man in Sölden auch auf die Jedermänner, die sich auf der Gletscherstraße mit den Assen messen wollen, ihnen gehört im Vorfeld der deutschland tour die gesamte Aufmerksamkeit. Jan Ullrich wird hier natürlich an jene schönen Stunden denken, als es mit ihm am Gletscher im Tiefschnee ständig bergab ging und er ein Duell mit dem deutschen Slalomweltmeister Frank Wörndl gewann, der zur Strafe in einem Stringtanga und dem Telekom-Trikot bei minus 16° über die Piste flitzen musste. Dass Jan Ullrich bei der Auffahrt zum Gletscher garantiert nicht zu kalt wird, dafür werden seine Mitstreiter der Pro Tour schon sorgen. Im Ziel hat er jedenfalls schon einen Vorteil: Er kennt die beeindruckende Kulisse des Rettenbach Gletschers und wird sich an diesem Tag an seine schönen Stunden im Schnee erinnern, während andere erst einmal begreifen müssen, dass sie sich unmittelbar im ewigen Eis, auf Ötzis Spuren befinden. Ernst Lorenzi
Reklame:
Die schönsten Radtouren