Durch das Naturschutzgebiet mit seiner bemerkenswert reichen Flora und Fauna führen herrliche Wanderrouten
Tiefblaues Wasser, blühende Alpenwiesen mit grasenden Kühen und schneebedeckte Bergriesen: Im Naturschutzgebiet Vilsalpsee im Tannheimer Tal ist die Welt noch in Ordnung. Und das nicht nur für Spaziergänger und Wanderer, die hier die Schönheit der alpinen Landschaft in aller Ruhe genießen können, sondern auch für zahlreiche Tiere und Pflanzen, die anderswo längst keinen Lebensraum mehr finden. Die Flora umfasst mehr als 700, zum Teil sehr seltene Arten und viele der hier heimischen Tiere sind anderswo vom Aussterben bedroht. Zu dem rund 16 Quadratkilometer großen Areal, das bereits 1955 zum Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, gehören neben Vilsalpsee, Traualpsee und Lachensee auch die umliegenden Berge mit ihren schroffen Kalkfelsen, Gipfeln und Graten. Auf vier abwechslungsreichen Wanderrouten haben Besucher Gelegenheit, die einzigartige Flora und Fauna hautnah zu erleben - und nebenbei unvergessliche landschaftliche Eindrücke zu gewinnen.
Der größte See im Naturschutzgebiet ist der Vilsalpsee, der zu den schönsten Bergseen Tirols gehört. Am östlichen Ufer weiden Kühe auf Wiesenhängen, am südlichen Ende ragen steile Kalkwände empor und geben den Blick frei auf den imposanten, 400 Meter hohen Bergaicht-Wasserfall. Aufgrund seiner Höhenlage auf 1165 Metern und der niedrigen Wassertemperaturen bietet der Vilsalpsee nur wenigen Fischen Lebensraum. Allerdings ist hier etwa der Seesaibling zuhause, der zu den gefährdeten Arten gehört. Am Ufer brüten zwischen Schachtelhalm und Schnabelsegge Grasfrösche und Erdkröten, Stockenten, Blässhühner und Haubentaucher. Die See-Rundwanderung dauert etwa 90 Minuten. Die Vilsalpe, der Gasthof Vilsalpsee und die Fischerstube laden zur Rast ein.
Eine beliebte Bergwanderung führt vom Vilsalpsee zur Landsberger Hütte (1805 Meter). Die rund dreistündige Tour umfasst alle Höhenstufen und Lebensräume des Naturschutzgebiets. Durch ein mit Birken und Erlen bewachsenes Tal geht es hinauf zum Traualpsee, der rund 500 Meter südlich über dem Vilsalpsee auf einem Plateau liegt, das den ganzen Sommer über ein beeindruckendes Farbspiel aufweist: Zuerst blühen die Alpenanemonen, dann Goldpippau und Berglöwenzahn, schließlich die Gelben Enziane. Dazwischen gedeihen überaus seltene Arten wie die Grüne Hohlzunge, die Mondraute und die Kugelorchis. Vorbei am tiefblauen Traualpsee führt der steile und zum Teil steinige, durch Drahtseile gesicherte Weg weiter entlang des Lachensees zur Landsberger Hütte. Hier oben können die Wanderer sich ausruhen, das herrliche Panorama genießen und vielleicht sogar auf den Sonnenuntergang warten: Das Matratzenlager bietet 170 Plätze, darüber hinaus gibt es 30 Betten in Mehrbettzimmern.
Wer absolut trittsicher und schwindelfrei ist, kann am nächsten Morgen von der Landsberger Hütte aus die umliegende Gipfelwelt erkunden. Die Steinkarspitze (2015 Meter), die Rote Spitze (2130 Meter), die Lachenspitze (2126 Meter), die Lailachspitze (2274 Meter) und die Schochenspitze. Dieses Gipfel-Hopping dauert acht bis zehn Stunden und erfordert nicht zuletzt eine ziemlich gute Kondition.
Ebenfalls eher für Geübte ein Genuss ist die vierte Wanderroute, die von der Vilsalpe weiter zum 2247 Meter hohen Gaißhorn führt, einem der schönsten Gipfel des Gebietes. Die Gehzeit beträgt etwa vier Stunden, als Belohnung wartet ein unverfälschtes Naturpanorama in alle Himmelsrichtungen.
Die vier ausgewiesenen Wanderwege erlauben es Besuchern, das Naturschutzgebiet ausführlich zu erkunden, ohne dass sie die markierten Pfade verlassen müssen. Somit schützen sie den natürlichen Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Wer die Augen offen hält, erspäht besonders auf den blumenreichen, alpinen Rasengesellschaften oberhalb der Waldgrenze viele geschützte Arten wie Orchideen, Edelweiß, Alpenaster, Enziane und Arnika. Weiter unten finden sich Frauenschuh, Korallenwurz, Türkenbund, Schwarze Akelei oder Kleines Zweiblatt.
Murmeltiere und Gämsen können oft aus nächster Nähe beobachtet werden. Im Sommer lassen sich auch Rothirsche blicken, die zum Grasen bis an den Vilsalpsee hinunter kommen. Zu den geschützten Arten, die hier heimisch sind, gehören unter anderem Alpensalamander, Erdkröte, Grasfrosch, Feldhase und Dachs.
Aufgrund des enormen Vogelreichtums wurde das Naturschutzgebiet Vilsalpsee darüber hinaus zum internationalen Vogelschutzgebiet ausgewiesen. In der alpinen Stufe sind Schneehuhn, Schneefink, Alpenbraunelle, Birkhuhn, Steinschmätzer, Hausrotschwanz und Turmfalke zu Hause. Auf den Almweiden ist der Bergpieper auffällig. In den zirbenbewachsenen Höhen und den darunter liegenden Latschenfeldern und Gehölzgruppen leben unter anderem Hänfling, Birkenzeisig, Zitronengirlitz, Fichtenkreuzschnabel und Ringdrossel.
Als Ausgangspunkt für Expeditionen im Naturschutzgebiet bietet sich der Vilsalpsee an. Er ist etwa vier Kilometer von Tannheim entfernt und leicht zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bimmelbähnchen, der Pferdekutsche, aber auch mit Pendelbussen zu erreichen. Für Privatautos ist die Zufahrt nur morgens bis 10 Uhr und nachmittags ab 17 Uhr gestattet.
Weitere Auskünfte:
Tourismusverband
Tannheimer Tal
A-6675 Tannheim 110
Fon 00 43 (56 75) 62 20-0
Fax 00 43 (56 75) 62 20-60
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